Braunkohleausstieg kommt früher als gedacht

RWE wurde vom zeitnahen Strukturwandel überrascht

Am Donnerstag, 24. Januar 2019 tagte im Sitzungssaal im Bernardushaus der Rat der Stadt Grevenbroich. Als zweiter Tagesordnungspunkt stand auf der Agenda der Vortrag von Vertretern des RWE, Dr. Eberhard Uhlig, Erik Schöddert und Wilfried Pakmor. Die drei Referenten informierten unter dem Projektnamen „FrITZ“ – Frimmersdorf Innovations- und Technologie Zentrum – über die weiteren Entwicklungsschritte des Braunkohlekraftwerkes, Standort Frimmersdorf. Mit der Braunkohleverstromung sind viele Grevenbroicher auf direktem oder indirektem Wege fest verbunden. „Wenn die „Kohle-Kommission“ versagt und es zu einem überhasteten Kohleausstieg kommt, so hat dies schwerwiegende Konsequenzen für die gesamte Region. Die Folge daraus wären schlimme Strukturbrüche sowie ein hohes Aufkommen von akuter Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Dies wiederum wäre eine Bedrohung für die gesamte Energiewende. Die betroffenen Arbeitnehmer im Revier brauchen Sicherheit, geregelte Rahmenbedingungen des Braunkohleausstiegs und eine zukunftsorientierte, langfristige, berufliche Perspektive“, äußert sich Bürgermeister Klaus Krützen. Zur Unterstützung des Strukturwandels wurde das Gremium „Innovationsregion Rheinisches Revier“ („IRR“), jetzt „Zukunftsregion Rheinisches Revier“ („ZRR“) gegründet. Zudem gehört die Stadt Grevenbroich dem Planungsverbund „Rheinisches Sixpack“ an. Dem Strukturwandel im Rheinischen Revier soll aktiv begegnet und die regionale Zusammenarbeit über Regierungsbezirksgrenzen hinweg gestärkt werden, um nur eines der Ziele des „Rheinischen Sixpacks“ zu nennen.

Das regional ansässige, für die Region und Menschen bedeutsame Kraftwerk Frimmersdorf, befindet sich momentan in der Sicherheitsbereitschaft und soll bis September 2021 vom Netz gehen. Der Rückbau der Industrieflächen wird voraussichtlich in den Jahren 2022/2023 beginnen und mindestens fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen. Die Kosten des Rückbaus sowie der Umstrukturierung der Nutzflächen, liegen vermutlich im dreistelligen Millionenbereich. Die Referenten betonen, dass neben öffentlichen Investitionen zudem private und industrielle Investitionen in den Revieren und an den Kraftwerksstandorten notwendig seien. Der akute, unerwartet schnelle Ausstieg aus der Braunkohle sowie die Energiewende an sich, mit der Konsequenz der gesamten Umstrukturierung der verfügbaren Industrieflächen, stellt RWE als Kraftwerksbetreiber und Flächeninhaber vor eine Mammutaufgabe. Denn auch RWE wurde vom zeitnahen Strukturwandel überrascht, mit einem so baldigen Austrittstermin konnte niemand rechnen. Bei der Entwicklung und Realisierung eines nachhaltigen, auf die Region abgestimmten Gesamtkonzeptes, sind viele unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen. Die Betreiber des Kraftwerkes wollen vor allem eine Versorgungssicherheit der Stromerzeugung gewährleisten.

Das Kraftwerk Frimmersdorf umfasst eine Gesamtfläche von 160 ha an Industrie- und Gewerbeflächen, die neu entwickelt werden können. Die zeitlichen Verfügbarkeiten der neu zu entwickelnden Flächen im Bereich des Kraftwerkes Frimmersdorf sind sehr unterschiedlich, deshalb muss ein nachhaltiges, langfristiges Gesamtkonzept erstellt werden. Momentan befindet sich RWE in einer dynamischen Zeit. Es bestehen viele Optionen, um moderne, intelligente Energie-Technologien in Zukunft an diesem Standort umzusetzen. Die besondere Infrastruktur des Standortes bietet hervorragende Anknüpfungspunkte für die Entwicklung moderner, intelligenter und nachhaltiger Energietechnologien sowie Energieerzeugungsanlagen. Zudem gibt es in der Region, seitens der Bevölkerung, eine hohe Akzeptanz von Gewerbe und Industrie. Erste Vorschläge aus der Region für mögliche Innovationscluster am Standort Frimmersdorf sehen Entwicklungsoptionen in den Bereichen Metall, Chemie, Medizin, Ernährung, Energie oder Baustoffindustrie vor. RWE fokussiert dabei ein Nutzungskonzept mit dem Schwerpunkt Industrie. Denn der Standort Frimmersdorf bietet hohe Potenziale in den Bereichen der Weiterentwicklung, Vernetzung und Unterstützung der bestehenden industriellen Schwerpunkte der Region.

Jedoch gibt es darüber hinaus auch Besonderheiten zu beachten, die zu Konflikten führen könnten. Unter anderem sieht RWE ein Konfliktpotenzial durch Restriktionen aus der Wohnbebauung. Soll heißen, dass es Wechselwirkungen in Bezug auf die städtebauliche Entwicklung zu beachten gibt, an welche sich die zukünftige Industrie halten muss. Ein Randbereich mit Restriktionen zum Schutz der Wohnbebauung muss dabei gewährleistet sein. Die Ausweisung von neu erschlossenen Wohnbaugebieten nahe der Industrie, schränkt deren Nutzungspotenzial ein. Auch zum Thema Erft-Umbau sehen die Betreiber Konfliktpotenzial, eine Harmonisierung zwischen Gewässerausbau und Strukturentwicklung ist dabei erforderlich.

Die nächsten Schritte in der Städtebaulichen Entwicklung sind u.a. die Vorprojekt-Planung, eine Raumplanungs- und Studienphase, gefolgt von der Bauleit- und Ingenieurplanung sowie die Festlegung eines möglichen Umsetzungsbeginnes. Wichtige Ziele des Konzernes RWE sind Transparenz und eine gemeinsame Zusammenarbeit mit dem Kreis und der Stadt. Die Vertreter von RWE betonen, dass auch weiterhin für die Region eine qualitativ hochwertige, nachhaltige Industrie an diesem Standort erhalten bleiben muss. Zudem werden die Bereiche der Forschung, Innovation, Ausbildung und Entwicklung stark fokussiert, um junge Menschen an die Region zu binden. Davon verspricht sich RWE zukünftig Industriearbeitsplätze mit einer gewissen Attraktivität in der Region anzusiedeln.