Gemeinsamer Brief zur Batteriezellfertigung

Bürgermeister der Kommunen Neuss, Dormagen, Grevenbroich und Rommerskirchen

An

  • Andrea Nahles MdB
    (Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion)
  • Hubertus Heil MdB
    (Bundesminister für Arbeit und Soziales)
  • Bernd Westphal MdB
    (Wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion)

Liebe Andrea, lieber Hubertus, lieber Bernd,

das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie plant derzeit in intensiver Koordination mit der EU-Kommission eine Förderung des Aufbaus einer Batteriezellfertigung in Deutschland und der EU.

Dies begrüßen wir aus industriepolitischer Sicht außerordentlich, da viele wichtige Industriebranchen in Deutschland und in Europa massiven Änderungen unterliegen, bei denen Energiespeicher eine zentral wichtige Rolle spielen. Leider liegen heute die wesentlichen Kapazitäten für Batteriezellfertigung in Asien, wodurch sich erhebliche Abhängigkeiten und gefährliche Kompetenzlücken bei einer künftigen Schlüsseltechnologie ergeben könnten. Durch den Aufbau einer Batteriezellfertigung in Deutschland kann ein massiver Abfluss von Wertschöpfung vermieden werden und in einigen Bereichen, wie z.B. bei Batteriematerialien, sehr interessante Wachstumschancen realisiert werden.

Der Rhein-Kreis-Neuss sowie das weitere Umland in NRW darf mit Fug und Recht als der stärkste industrielle Kern Europas gelten, mit führenden Industrieunternehmen der chemischen Industrie, Energiewirtschaft, Automobilindustrie, oder auch der Metallindustrie. Diese Unternehmen wie auch die regionale Politik wollen diesen industriellen Kern erhalten und gezielt weiterentwickeln – und damit gleichzeitig auch Transformationsherausforderungen wie z.B. die schrittweise Reduktion der Kohleverstromung erfolgreich umsetzen.

Gestützt werden die starken industriellen Strukturen durch hervorragende Bildungs- und Forschungseinrichtungen, die sowohl die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal sichern als auch eine kontinuierliche Fortentwicklung von Hochtechnologie ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund ist das Thema Batteriezellfertigung für den Rhein-Kreis Neuss und die dort vertretenen Unternehmen von höchster Relevanz und von höchstem Interesse. Aber nicht um opportunistisch von einem „Subventionskuchen“ profitieren zu wollen, sondern weil unsere Region besser als irgendeine andere alle zentral wichtigen Erfolgsfaktoren für eine nachhaltig wirtschaftliche Batteriezellfertigung gewährleisten kann.

Vor diesem Hintergrund befürworten wir und viele bedeutende Industrieunternehmen der Region mit aller Kraft die Bemühungen des Listrom-allocate-Konsortiums zur Errichtung einer Batteriezellfertigung mit klarem Fokus auf das Rheinland und NRW.

Besonders wichtig ist aus unserer Sicht, dass dieses Konsortium die gesamte Wertschöpfungskette und nicht nur die reine Zellfertigung als Hebel zur Wettbewerbsfähigkeit einsetzt. Hierdurch können viele Synergien mit den bereits existierenden Industrien erreicht werden, sowohl im Hinblick auf Kosten aber auch im Hinblick auf Qualität.

Dies betrifft ganz besonders die Optimierung der entscheidend wichtigen Materialkosten, z.B. durch neue Kobalt- und Nickel-freie Kathodenmaterialien, die Nutzung CO2-frei hergestellter Zellkomponenten wie Aluminium, neue maßgeschneiderte Elektrolyte und Membranen aber auch die Applikation einer zirkulären Wertschöpfung, mit der ebenfalls kooperierende Recycling-Unternehmen die Materialverfügbarkeit und Kosten absichern.

Ebenso innovativ ist in diesem Konzept auch die Realisierung von wettbewerbsfähigen Netto-Energiekosten. Auch hierbei spielt die Synergie mit existierenden Unternehmen eine wesentliche Rolle, so dass die Batteriezellfertigung ein integraler Teil im Elektrizitäts-Lastmanagement wird und als Akteur im Regelenergiemarkt zusätzliche Wertschöpfung erreicht – und damit die in Deutschland häufig als zu hoch angesehenen Brutto-Stromkosten auf ein wettbewerbsfähiges Netto-Niveau absenkt. Hiermit wird die Batteriezellfertigung auch ein wichtiger Katalysator bzw. Puffer zum weiteren Ausbau zyklischer regenerativer Energien. Hinzu kommt die Applikation innovativer digitaler Energiemanagementsysteme, mit denen Produktionsprozesse in Echtzeit mit dem Energiemarkt und Erzeugungsanlagen vernetzt werden können und reale Gewinne bei der Energieeffizienz erreicht werden können.

Neben produktionsseitigen Vorteilen dieses auf Sektor-Kopplung und Verbundsynergien beruhenden Konzepts halten wir auch die Ausrichtung auf Produkte, die besonders für den deutschen und europäischen Markt zugeschnitten sind, für besonders vorteilhaft. Dies betrifft z.B. Zelltypen, die sich für Konvergenzlösungen zwischen mobilen und stationären Sektoren besonders gut eignen (z.B. Batteriezellen mit hoher Zyklenfestigkeit, die auch netzstützende „Vehicle to Grid“-Lösungen möglich machen).

Zusammenfassend möchten wir nochmals betonen, dass der Rhein-Kreis Neuss mit seinen starken Unternehmen beste Möglichkeiten sieht, ein Projekt zur Batteriezellfertigung entsprechend dem vorab dargestellten Konzepts erfolgreich zu realisieren.

Gerne stehen wir Euch für vertiefende Diskussionen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

  • Reiner Breuer
    Bürgermeister der Stadt Neuss
  • Erik Lierenfeld
    Bürgermeister der Stadt Dormagen
  • Klaus Krützen
    Bürgermeister der Stadt Grevenbroich
  • Dr. Martin Mertens
    Bürgermeister der Gemeinde Rommerskirchen