Projekt: S-Bahn-Netz Rheinisches Revier

Das Rheinische Braunkohlerevier liegt zentral zwischen der Rheinschiene mit den prosperierenden Wirtschaft- und Hochschulstandorten Düsseldorf, Köln und Bonn sowie Aachen und Mönchengladbach. Die beiden letztgenannten Städte sind, ebenso wie Jülich mit dem dort ansässigen Forschungszentrum, Teil des Reviers. Darin liegt für die Kommunen im Rheinischen Revier eine große Chance, nicht nur als Wohnstandort, sondern auch als Standort für Industrie-, Gewerbe- und Hochschulansiedlungen weiter an Attraktivität zu gewinnen und die Folgen des beschleunigten Ausstiegs aus der Braunkohleverstromung abzumildern. Um dies zu ermöglichen, ist der Aufbau einer zeitgemäßen und bedarfsgerechten Verkehrsinfrastruktur in Form des S-Bahn-Netzes Rheinisches Revier aus folgenden Gründen von zentraler Bedeutung:

  • Anlass für den beschleunigten Ausstieg aus der Braunkohleverstromung und damit den beschleunigten Strukturwandel im Rheinischen Revier ist die Klimadiskussion. Zur Gestaltung des Strukturwandels sollten deshalb prioritär Lösungen entwickelt werden, die in Hinblick auf den ebenfalls klimabedeutsamen Faktor Verkehr sinnvolle Lösungen darstellen und zu einer Minderung des motorisierten Individualverkehrs und des Gütertransports auf der Straße beitragen.
  • Bereits heute ist das Straßennetz in NRW nicht nur in den Oberzentren, sondern auch auf Autobahnen, Bundes- und Landstraßen überlastet. Zukünftig ist laut aller Prognosen mit steigenden Verkehrsmengen im Güter- und Personenverkehr zu rechnen, was nur über eine stärkere Nutzung der Schiene darstellbar ist. Auch die vorhandenen Schienenverbindungen sind allerdings bereits überlastet.
  • Im Rheinischen Revier und den umliegenden Großstädten und damit im Einzugsgebiet des S-Bahn-Netzes leben rund 2,9 Mio. Menschen. Alleine aus den Städten Bedburg, Bergheim, Grevenbroich und Neuss pendeln täglich fast 65.000 Menschen nach Köln, Düsseldorf oder Aachen. Die Oberzentren (z.B. Köln, Düsseldorf) können den Wohnraumbedarf nicht mehr decken. Entlastung können neue Wohnstandorte in der Region an Bahnhaltepunkten bringen.
  • Schon jetzt gibt es im Rheinischen Revier einen hohen Pendleranteil. Dies wird umso bedeutender, da Strukturwandel Zeit braucht und in der Zwischenzeit das Angebot von Arbeitsplätzen in den Oberzentren wichtig ist. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass 68% der Pendler das Auto für den Arbeitsweg nutzen.
  • Im Rheinischen Revier gibt es große Industrie- und Gewerbeflächenpotenziale, die sinnvollerweise an den schienengebundenen ÖPNV und Güterverkehr anzubinden sind. So sind alleine am Standort Kraftwerk Frimmersdorf 160 ha Industriefläche entwickelbar (zu erschließen über eine mögliche S18 mit Haltepunkt Frimmersdorf und die derzeitige RWE-Werksbahn). Weitere Entwicklungspotentiale bietet die LEP-Fläche Neurath mit 300 ha, die zwischen der geplanten Linie S6 und der möglichen S18 liegt und von beiden Seiten über eine Busverbindung erschlossen werden könnte, sowie mögliche Gewerbeflächen bei Grevenbroich-Kapellen an der Stadtgrenze zu Neuss, die über einen zusätzlichen Haltepunkt erschlossen werden könnten (ebenfalls S18). Damit könnte zugleich die Kulturwirtschaft der Region mit der renommierten Kulturlandschaft „Insel Hombroich“ und der „Raketenstation“ mit der Langen-Foundation gefördert werden. An die neue S-Bahn-Haltestelle angebunden werden könnte zudem ein Park&Ride-Platz, der Pendler- Verkehre der schon jetzt stark überlasteten BAB 46 in Richtung Neuss/Düsseldorf aufnehmen würde.

Bereits im Abschlussbericht der „Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ ist auf S. 166 zum Rheinischen Revier ausgeführt: „Die zukunftsfähige Neuausrichtung des Rheinischen Reviers erfordert außerdem den Ausbau geeigneter Verkehrsinfrastrukturen, um den Raum zu erschließen und dessen Entwicklungspotenziale optimal an die großen Ballungszentren wie Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach und Aachen anzubinden.“ Das S-Bahn-Netz Rheinisches Revier leistet hierzu einen zentralen Beitrag.

Ziele

  • Bessere Erschließung von Industrie- und Gewerbeflächenpotentialen im Rheinischen Revier,
  • Umleitung der Pendlerströme aus und in das Revier von der Straße auf die Schiene,
  • Ertüchtigung des vorhandenen Schienennetzes in den Verbindungsachsen zwischen den Großstädten durch das Rheinische Revier in zweigleisiger, elektrifizierter (oder alternativ klimaneutral) und barrierefreier Form (S-Bahn-Standard), Erhöhung der Taktung, Einrichtung neuer Haltepunkte, Attraktivierung vorhandener Haltepunkte, Abbau niveaugleicher Bahnübergänge und
  • Entlastung anderer Verbindungen (v. a. an der direkten Rheinschiene)

Derzeitige Situation im Rheinischen Revier

Die einzelnen Elemente des S-Bahn-Netzes Rheinisches Revier haben einen unterschiedlichen Planungs- und Realisierungsstand. Sie ergänzen sich, funktionieren aber auch jeweils für sich genommen und lassen sich Schritt für Schritt entwickeln und umsetzen.

Zwischen Köln und Düren verkehren die S-Bahn-Linien 13 und 19. Für die Umwandlung der Strecke von Köln über Kerpen-Horrem bis Bedburg (künftige S12) liegt eine Machbarkeitsstudie vor, derzeit läuft die Vorplanung. Für die Strecke Köln-Pulheim-Grevenbroich-Mönchengladbach (künftige S6) liegt eine Machbarkeitsstudie vor. Diese Strecken sind im Planungsprozess bereits weit fortgeschritten und können als gesichert angenommen werden.

Wesentliche Lücken ergeben sich aber auf der Strecke Bedburg-Grevenbroich-Neuss-Düsseldorf in Verlängerung der Strecke der geplanten S12 und auf der Verbindung Düsseldorf-Neuss-Bedburg-Jülich-Aachen. Die Bedienung durch RE- bzw. RB-Strecken ist veraltet, nicht durchgehend und teils sehr weit getaktet und für Pendler eher unattraktiv. Die Ertüchtigung dieser Verbindungen hin zum S-Bahn-Standard würde in Verbindung mit den vorhandenen bzw. geplanten Linien das Rheinische Revier mit einem S-Bahn-Netz erschließen, das die Anbindung an die Großstädte zeitgemäß und bedarfsgerecht sicherstellt. Im Bereich Grevenbroich würde ein S-Bahn-Knoten entstehen, über den Aachen, Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach modern, komfortabel und direkt erreichbar wären. Der Kreistag des Rhein-Kreises Neuss hat für beide Strecken die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie beschlossen.

Die Verbindung (Köln-)Kerpen/Horrem-Bedburg-Grevenbroich-Neuss-Düsseldorf war als S18 bereits 1999 Bestandteil des Nahverkehrsplans des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr und Teil des Zielnetzes 2015. Zu einer Realisierung ist es v. a. aus finanziellen Gründen nicht gekommen. In der Integrierten Gesamtverkehrsplanung des Landes Nordrhein-Westfalen von 2006 wird die Verbindung mit einem Kosten-Nutzen-Quotienten von 2,75 und damit sehr gut bewertet.

Die bereits weit fortgeschrittene Planung für die S12 und die damit verbundenen Vorarbeiten führen schon jetzt dazu, dass auf der Strecke Kerpen/Horrem-Düsseldorf keine durchgehende Zugverbindung mehr besteht. Ein Umstieg ist in jedem Fall in Bedburg, ggf. außerdem in Neuss erforderlich. Eine Änderung dieser Situation durch die Fortführung der S-Bahn über Bedburg hinaus bis Düsseldorf wäre ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Anbindung des zentralen Rheinischen Reviers an den ÖPNV.

Erforderliche Unterstützung:

  • Aufnahme der S-Bahn-Verbindung Bedburg-Grevenbroich-Neuss-Düsseldorf und der Verbindung Aachen-Jülich-Bedburg-Grevenbroich-Neuss-Düsseldorf als Projekte in das Strukturstärkungsgesetz.
  • Begleitung der durch den Rhein-Kreis Neuss beauftragten Machbarkeitsstudien.
  • Aufnahme der beiden Projekte in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans.
  • Sicherstellung der Finanzierung
  • Durchführung der Planungsverfahren und Beschleunigung von Planungsprozessen.

Zusammenfassung

Mit der Berücksichtigung der S-Bahn-Verbindung Bedburg-Grevenbroich-Neuss-Düsseldorf und der Verbindung Aachen-Jülich-Bedburg-Grevenbroich Neuss-Düsseldorf als Teil des S-Bahn-Netzes Rheinisches Revier im Strukturstärkungsgesetz würde der Netzausbau im Schienenverkehr im Rheinischen Revier komplettiert und eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen von Strukturwandel über die Anbindung an die umliegenden Großstädte und die Entwicklung attraktiver Ansiedlungsmöglichkeiten für Gewerbe, Industrie, Wohnen und Hochschule geschaffen.