Statement von Bürgermeister Klaus Krützen zur verkehrlichen Entlastung von Kapellen und Wevelinghoven

Handout zur Pressekonferenz am 14.11.2019

„Seit Jahrzehnten sind Kapellen und Wevelinghoven stark vom Verkehr belastet. Neben dem Ziel- und Quellverkehr spielt dabei auch der Durchgangsverkehr eine Rolle. Seit über 30 Jahren besteht deshalb die Planung der L361n, die in weiten Teilen auch schon Realität ist. Das fehlende Teilstück zwischen Gilverath und Langwaden mit der Querung der Erft ist aus unterschiedlichen Gründen immer wieder zurückgestellt, jedoch nie ganz zu den Akten gelegt worden. Der Stadtrat hat sich mehrfach, zuletzt im Mai 2018, für eine Realisierung der L361n ausgesprochen. Die damals vorgelegte Resolution habe ich mitunterzeichnet, auch wenn ich mir nicht vollständig sicher war, ob dies noch der richtige Weg ist.

Bereits zu diesem Zeitpunkt ist sowohl im Stadtrat selbst, als auch aus der Bevölkerung heraus darauf hingewiesen worden, dass der Nutzen der L361n zur verkehrlichen Entlastung der beiden Ortsteile in keinem Verhältnis zu dem notwendigen Aufwand und den damit verbundenen Kosten sowie dem erheblichen Eingriff in Natur und Landschaft steht.

Vor geraumer Zeit hat der Rhein-Kreis Neuss sich bereit erklärt, die Planungen weiter voranzutreiben. Gegenstand dessen werden auch eine Verkehrsuntersuchung und eine Umweltverträglichkeitsprüfung sein. Das zieht sich aber hin. Mit ersten Ergebnissen der Untersuchungen ist nicht vor Herbst 2020 zu rechnen, bis wann das Verfahren insgesamt abgeschlossen sein könnte, ist völlig unklar.

Für mich war schon immer klar: Die L361n ist kein Selbstzweck. Sie ist ein denkbares Instrument zur Durchsetzung eines Zieles – der verkehrlichen Entlastung von Wevelinghoven und Kapellen.

Bislang ist man, meine Person eingeschlossen, zumindest mehrheitlich, zu der Auffassung gekommen, dass die L361n dabei unter Abwägung aller Faktoren das geeignetste Instrument ist.

Aber die Zeiten ändern sich. Im Gegensatz zu der Zeit, als die L361n als Idee geboren wurde, hat man inzwischen erkannt, dass man Verkehrsprobleme nicht mit immer neuen Straßen in den Griff bekommt. Das Schlagwort von der „autogerechten Stadt“ spielt aus guten Gründen seit vielen Jahren keine Rolle mehr. Vielmehr muss die Verkehrsmenge reduziert und die Menschen zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel animiert werden. Neue Straßen können helfen, Belastungen zu reduzieren oder umzulenken, sie sind aber nie die alleinige Lösung.

Gerade die letzten zwei Jahre waren umweltpolitisch sehr bewegt. Es ist deutlich geworden, dass Umwelt- und Naturschutz, Klimaschutz und eine nachhaltige Mobilitätswende für viele Menschen einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen, als man dies Anfang 2018 noch für möglich gehalten hätte. Dies hat dazu geführt, dass der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung deutlich beschleunigt wurde, mit allen Konsequenzen, die das auch für Grevenbroich hat. Solche großen gesellschaftlichen Debatten machen nachdenklich, auch mich. Man fragt sich, ob die eigenen, bislang vertretenen Positionen wirklich richtig sind, beziehungsweise, ob man bei ihrer Entwicklung alle Faktoren korrekt berücksichtigt hat.

Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Dynamik, der modernen Ansätze der Verkehrspolitik und der Möglichkeiten, im Rahmen der Strukturförderung innovative Infrastrukturprojekte bei uns kurzfristiger realisieren zu können, halte ich es nicht länger für vertretbar, an der L361n als einem Konzept der späten 70er / früher 80er Jahren weiter festzuhalten. Die Kosten und der Eingriff in Natur und Landschaft stehen in keinem Verhältnis zu der Entlastungswirkung. Die Ökologie ist bislang zu gering gewichtet worden.

Wir benötigen vielmehr ein Maßnahmenpaket, in das die vielen Millionen, die diese Straße kosten würde, weitaus besser investiert wären. Zudem benötigen wir eine Perspektive, die kurz- und mittelfristig in mehreren Teilschritten mit jeweils schon konkreten Wirkungen umsetzbar ist und kein Großprojekt wie die L361n, das bei dem derzeitigen Planungstempo nochmal viele weitere Jahre benötigen könnte, wenn es denn überhaupt jemals Realität würde.

Deshalb schlage ich als Bürgermeister konkret vor:

  • Kernziel bleibt die Entlastung von Kapellen und Wevelinghoven vom Durchgangsverkehr
  • Ausbau der RB 39 zur S-Bahn, um mehr Pendler von der Straße und auf die Schiene zu bekommen. Dafür setze ich mich gemeinsam mit dem Oberbürgermeister von Düsseldorf und den Bürgermeistern von Neuss und Bedburg ein und bin optimistisch, dieses Projekt im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes platzieren zu können.
  • Bau der sogenannten Westtangente, die in Verbindung mit einem Durchfahrtsverbot für Schwerlastverkehr in Kapellen eine echte Entlastungswirkung zu weit geringeren Kosten und einem erheblich geringeren Eingriff in Natur und Landschaft entfalten würde. Auch Hemmerden würde so entlastet.
  • Bau der Ortsumgehung Noithausen, mit der diese Ortslage endlich entlastet würde, wie zuletzt im Stadtteilgespräch vehement gefordert. Diese könnte der Kreis kurzfristig realisieren, da die erforderlichen Planungen vorliegen.
  • Aufwertung/Neukonzeption der Radwegeverbindung entlang der Erft, um Kapellen, Wevelinghoven und Stadtmitte noch besser miteinander zu verbinden; möglicherweise sogar als Radschnellweg bis Düsseldorf.
  • Weitere innerörtliche verkehrslenkende Maßnahmen, die gemeinsam mit der Bevölkerung zu entwickeln sind; denkbar wäre, die Neusser Straße als Stadtstraße zu widmen, um einfacher agieren zu können.

Ich bin sicher, dass man mit diesem Maßnahmenpaket allen Interessen gleichermaßen Rechnung tragen wird – dem Schutz der Menschen an den Hauptverkehrsstraßen in Kapellen und Wevelinghoven ebenso wie dem Schutz der Erftaue. Zudem wird man eine positive Wirkung in einem weit größeren Umfeld über die beiden Ortsteile hinaus erzielen.

Meine Unterschrift der Resolution vom Mai 2018 ziehe ich hiermit zurück und fordere die im Rat vertretenen Fraktionen auf, mir dies gleichzutun, sofern sie die Resolution mitunterzeichnet haben.“

Bürgermeister Klaus Krützen lädt ein zu einer Bürgerversammlung in Kapellen am Donnerstag, den 28.11.2019, 18 Uhr, Forum der evangelischen Kirche Kapellen, Sankt-Johannis-Straße 9.